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Institut für Kunstgeschichte Innsbruck
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BOLLA , Marco della

 

1. BOLLA , Marco della. (Marx; Lorenzo) della (de) Bola; Bulla

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Baumeister, Steinmetz

3. BIOGRAPHIE

Campione/Como (?) (Saur 12/1996; Thieme-Becker/1910; Wagner-Rieger/1959).
Das Geburtsjahr ist unbekannt, ebenso Sterbeort und Sterbejahr. Er ist seit 1551 (Mahlknecht /1979) in Südtirol-Eppan, Völs am Schlern und Glurns fassbar. Ab 1557 arbeitete Bolla, aus Südtirol kommend, an der Erbauung der Hofkirche und des Neuen Stiftes in Innsbruck. 1558 wurde er als Nachfolger von Nikolaus Türing d. J. zum Werkmeister in Innsbruck bestellt, erhielt den Titel Hofwerkmeister und arbeitete bis 1572 in Innsbruck.

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Marco Bolla ist Sohn des Giovanni oder Zwännen (=Hans) Bola vom Gumersee (Comer-See). Im Vertrag über den Bau der Pfarrkirche St. Pauls in Eppan (Mahlknecht) sind als Bürgen genannt "seines Vaters Bruder und sein Vetter, der ein Bürger zu Trient sei". Der Name des Onkels von Bolla ist nicht genannt. Mahlknecht vermutet darin den Baumeister Andrea Crivelli, der von der Innsbrucker Regierung 1553 als Bausuperintendant mit der Bauaufsicht für die Hofkirche in Innsbruck betraut wurde. Bolla arbeitete in Südtirol zusammen mit Crivelli bis 1557. Von dort kamen beide nach Innsbruck. 1557 arbeitete Bolla unter dem Werkmeister Nikolaus Türing d. J. an der Erbauung der Hofkirche und des Neuen Stiftes. Nach dem Tode Türings 1558 wurde Bolla zum Hofwerkmeister von Innsbruck bestellt (Egg/1979, 249f). Er wurde damit zum Verantwortlichen für einen Bau, der im Spannungsfeld zweier gegensätzlicher Parteien entstand. Diesem waren einerseits die Regierung in Innsbruck - die für den Bau der Hofkirche den traditionellen (spätgotischen) Baustil beibehalten wollte - und andererseits König Ferdinand I., der einen Bau in der neuen palladianischen Stilrichtung verwirklichen wollte. (Fidler/ 1987, 77-84)).

 
5. WERK

Das einzige Werk Bollas in Österreich ist seine maßgebliche Mitarbeit an der Erbauung der Hofkirche und des Neuen Stiftes in Innsbruck . Es ist der früheste große Kirchenbau von Italienern in Österreich (Saur 12/1996, 5388 in Bezug auf Wagner-Rieger /1959). 1553 entstanden die Pläne für Kirche und Stift durch einen unbekannten Baumeister (Fidler/1987, 80) . Der Kirchenbau präsentiert sich als dreischiffige Halle mit einem annähernd gleich hohen (heute barockisierten) Gewölbe. Im Norden ist eine Empore eingesetzt, im Süden eine gleiche als Lettner angelegte Empore mit Blick zum Hochaltar. Der barockisierte Chor ist einschiffig um 3 Stufen erhöht, eingezogen, dreijochig und hat einen drei Achtel-Abschluss . Bolla fertigte dazu 1553 die Modelle (Weingartner/1921, 4). 1557 kam Bolla aus Südtirol nach Rattenberg. Unter dem Werkmeister Türing fertigte er dort, mit dem italienischen Steinmetzen Bernhard Canaz, die Freisäulen für die Hofkirche aus rotem Hagauer Marmor (Egg 1957) . 1558, nach Türings Tod, wurde Bolla zu dessen Nachfolger bestellt. Bis 1595 wölbte er den Kreuzgang im östlich der Kirche anschließenden Neuen Stift und bis 1561 die Hofkirche (Saur, 388). 1561 erhielten Bolla und Canaz für Mauerwerk und Pflaster aus weißen und schwarzen Marmorplatten (Sterzinger Marmor und Schwazer Dolomit) 550 Gulden . 1562 las Petrus Canisius (Autor des Katechismus) die erste Messe. 1563 wurde die Kirche in Anwesenheit Kaiser Ferdinands I. und sechs seiner Kinder zu Ehren des heiligen Kreuzes eingeweit. 1564 waren Kirche und Stift vollendet. Die Bausumme betrug 76000 Gulden, das ist mehr als das Doppelte des Voranschlages von 1553 (Egg/1974, 68).
Über weitere Werke Bollas bis zum Ende seiner Tätigkeit in Innsbruck 1572, ist nichts bekannt.

6. ABBILDUNGEN

5.1 Fassade der Hofkirche; Bildnachweis: Foto BDA, I.
Kirchhof: Abb. 93 in Fidler 1987.

5.2 Innenhof des Neuen Stiftes. Bildnachweis: Foto BDA, I. Kirchof: Abb. 101 in
Fidler 1987.

5.3 Grundriss: Hofkirche und Neues Stift, 1. Obergeschoss; Bauaufnahme 1784-1790; Bildnachweis: Foto Bildarchiv der ÖNB, Wien; Abb. 92 in Fidler 1987.

5.4 Grundriss der Hofkirche; Bildnachweis: Foto Adolf Sickert, Abb. 103 in Egg 1974.

5.5 Hofkirche Innenansicht; Kupferstich von Laurentius Strauch, Nürnberg 1614. Bildnachweis: Foto Tiroler Landesmuseum Ferdiandeum; in: Egg 1974.

5.6 Kreuzgang Neustift; Bildnachweis: Foto Dr. G.A. Külley, in Hammer,
Kunstgeschichte der Stadt Innsbruck, Innsbruck 1952, Abb. 107.

5.7 Hofkirche Innenansicht, Bildnachweis: Foto BDA, I. Kirchhof Abb. 98 im Fidler 1987.

7. BIBLIOGRAPHIE

DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. TIROL, Wien 1980.
Egg, Erich. Die Hagauer Steinmetzen, in Der Schlern. Zeitschrift für Heimat- und Volkskunde, Bd. 31, Bozen, 1957.
Egg, Erich. Die Hofkirche in Innsbruck, Innsbruck 1974.
Egg, Erich. Marx della Bolla, der Meister des Langhausgewölbes in der Pfarrkirche St. Pauls in Eppan; in Der Schlern, Zeitschrift für Heimat - und Volkskunde, Bozen Bd. 53, 1979.
Fidler, Peter. Die Hofkirche in Innsbruck; Das Kunstwerk als Ergebnis eines politischen Kampfes. Österreichische Zeitschrift für Kunst- und Denkmalpflege, Heft 3/4, Wien 1987.
Mahlknecht, Bruno. Zwännen und Marco de Bola, Steinmetzen vom Comer See; in Der Schlern. Monatsschrift für Südtiroler Landeskunde, Bozen 1979.
Österreichische Kunsttopographie XLII.3, Wien 1986.
SAUR, Allgemeines Künstler-Lexikon, Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker, Band 12, Leipzig 1996.
Thieme-Becker. Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler, Leipzig 1921, Bd. IV.
Wagner-Rieger, Renate. Zit, in SAUR, Band 12, München-Leipzig 1996, 388; in Arte e Artisti dei laghi lombardi. Como I 1959, 412, 480.
Weingartner, Josef. Die Kunst in Tirol; die Kirchen Innsbrucks, Innsbruck 1921,
Weingartner, Josef. Kunstdenkmäler des Etschlandes, Wien 1929, 3. Band.
Weingartner, Josef. Die Kirchen Innsbrucks, Innsbruck 1950.
Weingartner, Josef. Die Kunstdenkmäler Südtirols, Band 2, Bozen 1991.

©, Mai 2003

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