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3. BIOGRAPHIE
*Bissone
(bei Lugano, Südschweiz), 28.08.1664 (*1663 in Thieme- Becker,
1911, 293; *1666 bei Sailer, 1943, 74;*1666 oder 1665 in ÖKL,
1976, 286), Wien, 21.02.1736 (1737 bei Thieme- Becker,
1911, 293) (DBI, 1965, 576; Werner, 1992, 5; Saur, 1997, 344).
Santino Bussi stammt aus einer berühmten Stukkateurfamilie
(Sailer, 1943, 74). Er ist der Sohn des Malers Giovanni Francesco
Bussi und seiner Ehefrau Anna Maria, geborene Pusterla ( DBI XV,
1972, 575). Seinen ersten Zeichenunterricht genoß Santino
bei seinem Vater; später widmete er sich der Stuckplastik
und dürfte in die Werkstatt eines Stukkateurs eingetreten
sein, um das Handwerk zu erlernen. Im Alter von zwölf Jahren
schloß er sich wahrscheinlich einer Gruppe von Bauleuten
an und war zunächst als Wanderstukkateur in Mailand (Mitte
80er Jahre), Böhmen, Prag und Mähren tätig (Werner,
1992, 5; Saur, 1997, 344). 1695 gelangte Bussi durch Fürst
Adam Andreas Liechtenstein nach Wien, er wird am 23.04.1698 Wiener
Bürger, Mitglied der Stukkateurinnung und noch im selben
Jahr Meister. Am 31.08.1714 wird er zum Hofstukkateur (Sailer,
1943, 74). Die rege Bautätigkeit in Wien der späten
90er Jahre des 17.Jh. kommt Bussi zugute. Vincenzo Fanti, der
Sohn des Quadraturisten Gaetano Fanti, beschreibt ihn in seiner
Vita als tüchtigen, verdienstvollen Mann, der hochherzig
im Umgang mit Geld war. Als Künstler war er allseits beliebt,
seine Arbeiten wurden geschätzt und hoch honoriert. Bussi
war sich seines Wertes wohl bewußt gewesen und verlangte
entsprechende Preise (Werner, 1992, 8). Manchen war er sogar zu
teuer, wie aus der Baukorrespondenz über Schloß Mirabell
hervorgeht (ÖKT XIII, 1914, 170 und 176). Er erwarb ein beträchtliches
Vermögen und war auch entsprechend großzügig bei
seinen Ausgaben. Beim Tod des Künstlers fand sich kaum genug
für ein angemessenes Begräbnis (Werner, 1992, 8). Sein
Betrieb ist als ausgesprochener Großbetrieb zu werten. Bussi
gilt als stilprägend im Stuckornament, wo sich in Wien um
1700 der sog. "Stil der zarten Ranke" durchsetzte. Seine
Absicht, hofbefreiter Stukkateur zu werden, scheiterte am Widerstand
der bürgerlichen Stukkateure. Santino Bussi lebte 1698-1702
in der hinteren Schenkenstraße, 1703 auf dem Burgfried,
1704 und 1705 neuerlich in der hinteren Schenkenstraße,
1706-1710 in der Wiltwerkerstraße, 1711-1714 in der Renngasse,
1715 unter den Sattlern, 1716-1717 im Paternostergäßlein,
1718 in der Naglergasse, 1719 in der unteren Bräunerstraße,
bzw. im Ratgäßl, 1720-1735 beim Petersfriedhof und
1736 auf dem Graben (Sailer, 1943, 74).
Am 23. Februar 1697 heiratete Bussi die viel jüngere (Rosina)
Maria, die wahrscheinlich ebenfalls italienischer Abstammung war
(DBI, 1972, 575). 1702 wurde die älteste Tochter Eleonora
Ursula geboren, bis 1716 folgten weitere sechs Kinder (Hajdecky
9704, 9707, 9710, 9717, 9718, 9721, 9724).
Santino Bussi starb 71- jährig am 21. Februar 1736 im Schneider`schen
Haus am Petersfriedhof an Hectica (Schwindsucht bzw. chronisches
Fieber). Die Eintragung im Totenbuch lautet "70 Jahre"
(Hajdecky 13349). Seine Frau Rosa folgte ihm bereits am 15. April
1737, 50 Jahre, in den Tod (Hajdecky 13419). In Fantis Nachruf
lautet es überschwänglich: "Non vi fu chi non fosse
sensibile della perdita di questo valent´uomo."
4. FAMILIEN-,
FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS
Bussis Vater
Giovanni Francesco Bussi war auch Maler, aber offenbar weniger
bedeutend, da er der Kunstgeschichte unbekannt ist; von ihm erhielt
Bussi den ersten Zeichenunterricht.
Auch sein Bruder Carlo Antonio Bussi
war Freskomaler und arbeitete im Passauer Dom und in Vöcklabruck
und war mit einer Tochter Carpoforo Tancallas verheiratet. Nach
seinem unerwarteten Tod im Jahre 1690 soll Santino neben dem erfahrenen
Giovanni Battista Columba (Colombo) an der Vollendung der Fresken
in der Vöcklabrucker Dörfelkirche (OÖ) mitgearbeitet
haben (Schäffner, 1966/ II, 181; Werner, 1992, 6). Es ist
nicht geklärt ob Santino auch als Maler tätig war oder
ob er hier nur Handlangerdienste für den älteren Kollegen
verrichtete.
Bussi ist Trauzeuge bei der Hochzeit von Giovanni Battista Maderna,
"des Grafen von Zhernin Ingenieur und Architekt", den
Bussi wohl noch aus der Zeit in Prag kannte (Hajdecky 7125, die
Trauung vollzog der Augustiner P. Abraham a Santa Clara in Hernals
am 13. April 1698).
Als Taufpaten der sieben Kinder Santino Bussis treten wiederholt
die Architekten Giovanni Battista Maderna, Donato
Felice Allio und ab 1716 der Maler Carlo
Innocenzo Carlone auf. Auch Beziehungen zum Stukkateur Johann
Georg Piazoll und dem Bildhauer Lorenzo Mattielli müssen
bestanden haben (Hajdecky 9612, 9615). Seine älteste Tochter
Eleonora Ursula heiratete am 26. November 1724 den kaiserlichen
Theateringenieur Antonius
Gallo Bibiena von Bologna (Hajdecky 7428).
Bussi gehörte dem führenden Wiener Künstlerkreis
an und arbeitete unter den Architekten Domenico Martinelli, Johann
Bernhard Fischer v. Erlach und Johann Lukas v. Hildebrand an Stuckausstattungen
der Wiener Adelspaläste, aber auch für kirchl. und adlige
Bauherren in OÖ, NÖ, Prag, Salzburg und Breslau. Sein
schärfster Konkurrent war der Graubündener Alberto
Camesina. Er erhielt nur vier Tage vor diesem den Titel eines
Hofstukkateurs (Werner, 1992, 8). In der Folge arbeiteten beide
Werkstätten häufig nebeneinander.
Fürst Adam von Liechtenstein - und nicht Prinz Eugen von
Savoyen, wie oft in der Literatur zu finden ist (Thieme- Becker,
1911, 293; Sailer, 1994, 74; DBI, 1965, 575)-, dürfte Bussi
nach Wien gerufen haben, da der Prinz zu dieser Zeit seine Bautätigkeit
noch nicht begonnen hatte (Werner, 1992, 5). Der Meister arbeitete
auch noch nach dem Eintreten in die Stukkateurinnung weiterhin
für Fürst Liechtenstein, aber auch für Prinz Eugen
und für den Grafen Kaunitz.
Wahrscheinlich beschäftigte Bussi einen oder zwei Gesellen
bzw. Mitarbeiter und je nach Bedarf Hilfskräfte. Im Stadtpalais
Liechtenstein arbeitete der nur wenige Jahre jüngere Stukkateur
Giovanni Manfredo Maderni mit Bussi zusammen (Sailer, 1943, 59).
Der Meister war bis ins hohe Alter tätig und arbeitete mit
seiner Werkstatt oft gleichzeitig an mehreren Aufträgen.
Erst im Jahr vor seinem Tod- er war wohl schon durch seine Krankheit
vermindert- gehen die Steuerleistungen zurück. Bussis Vermögen
war zusammengeschmolzen; keiner der Söhne war offenbar in
die Fußstapfen des Vaters getreten (Werner, 1992, 8).
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| 5.
WERK
5.1 WIEN,
Stadtpalais Liechtenstein (Majoratshaus), Bankgasse 9, der große
Festsaal.
Das Stadtpalais
wurde nach einem Entwurf von Domenico Martinelli vor 1694 für
Graf Kaunitz begonnen. Antonio Riva und seit 1694 Gabrielde Gabrieli
führten die Arbeiten fort. Sämtliche Prunkräume
(urspr. 25 Decken, meist im 19. Jh. überarbeitet), zwei Kabinette,
ein großer Saal, die Decke der Prunkstiege und zwei Vestibüle
wurden mit Stucchi von Santino Bussi 1695-1704 ausgeführt,
die sich in die allgemeine Stillage dieser Jahre einfügen.
Bussis 1702 bis 1705 ausgeführter Deckenspiegel des Stiegenhauses
zeigt neben Figürlichem und Spolienreliefs, eingerollte Akanthusranken
mit fleischigem Stengel und reichlichem Laub von sehr individueller
Prägung (zerstörtes Werk). Mitarbeiter war Giovanni
Manfredo Maderni (Sailer, 1943, 95; Dehio Wien, 1954, 74; Preimesberger,
1964, 328; Saur,1997, 345.).
5.2 WIEN,
ehem. Palais Kaunitz.
Für Stuckarbeiten
unbekannter Art, beim Umbau eines Gebäudes an der Ecke Teinfaltstraße
Herrengasse, neben dem jetzigen Palais Kinsky, erhielt Bussi "306
Gulden". Das Haus war vom Grafen Kaunitz erworben worden
und in der Zeit zw. 1695 und 1700 durch den Baumeister Simon
Carove umgebaut worden. Die Summe für Santino Bussi
läßt nach Werner den Schluß zu, daß er
hier auch künstlerische Arbeit (zerstörtes Werk) verrechnet
hatte (Werner, 1992, 157).
5.3 WIEN,
Finanzministerium (Ehemaliges Stadtpalais des Prinzen Eugen von
Savoyen), Himmelpfortgasse 8.
Rechts im
Vestibül befindet sich ein prächtiges Stiegenhaus, nach
Entwurf von J.B. Fischer von Erlach erbaut, mit Stucksupraporten
mit Darstellungen der Taten des Herkules von Santino Bussi zw.
1698 und 1701 (Dehio Wien, 1954, 65).
5.4 WIEN,
Kirche St. Dorothea, Stuck im Inneren, 1702- 1705.
Die Arbeiten Santino Bussis an figuralen Reliefs oder an
der Altarplastik sind nicht belegt und nur in der Aufzählung
Fantis erwähnt. Die Innenausstattung entwarf Matthias Steinl.
Die Kirche wurde unter Joseph II. demoliert (Werner, 1992, 159;
Riesenhuber, 1924, 423).
5.5 WIEN,
Schottenkirche.
Der Deckenstuck
im Hauptschiff ist nach einer alten, inzwischen verschwundenen
Inschrift im Gewölbe mit 1690 datiert. In Fantis Aufzählung
der Werke Bussis erscheinen auch Arbeiten "...nella Chiesa
de R. R. P. P. Benedittini di Vienna". Sollte es sich tatsächlich
um die Gewölbestukkatur handeln, so wäre dies Bussis
erste Arbeit in Wien (Werner, 1992, 166).
5.6 WIEN,
Garten- Palais Liechtenstein in der Rossau, Museum moderner Kunst,
Fürstengasse 2.
Das Gartenpalais
ist eine Anlage des, von Fürst Adam Liechtenstein 1699 in
der Roßau begründeten Stadtviertels Lichtental. Der
Bau wurde im Auftrag von Fürst Liechtenstein in 2 Bauphasen
erbaut.
An dem kubisch geschlossenen, streng gegliedertem Gartenpalais
arbeitete Santino Bussi zw. 1704-08 am Stuck im Vestibül,
an 7 Decken im Piano Nobile, am Wanddekor im Festsaal, an weiteren
kleineren Decken und in der ehem. Kapelle. Das zierliche Gebäude
Fischer von Erlachs am Ende des Gartens mußte im 19. Jh.
einem Neubau von Ferstel weichen (Dehio,1993, 397; Saur, 1997,
345;).
5.7 WIEN,
Ehem. Trautson- Palais in Glacis, Museumsstraße 7.
Der Gartenpalais
wurde für Leopold Donat Fürst Trautson nach Entwurf
von J.B. Fischer von Erlach und durch Bauführer Christian
Alexander Oedtl um 1710-12 erbaut. Seit 1760 ist es das Palais
der Ungarischen Garde. Es handelt sich um den bedeutendsten Profanbau
Fischers in Wien. Die Innenräume sind mit Stucchi von Santino
Bussi um 1712 ausgestattet; außer dem Fassadenstuck sind
eine Stuckdecke und 2 fragmentarische Reliefs (Zuschr.) erhalten
(Werner, 1992, 161; Dehio Wien, 1954, 133; Saur, 1997, 345).
5.8 HIRSCHSTETTEN
bei Wien, Schloß Schwarzenberg.
Das ehemalige
Schloß wurde 1713-24 von Anton Erhard Martinelli erbaut.
Jakob Werner verweist auf einen abgedruckten Bauextrakt über
den Umbau des Schlosses in der ÖKT II: "dem Stukator
Busy für gelieferte Arbeit...74 fl." Jeder Hinweis um
welche Arbeiten es sich gehandelt haben könnte, fehlt. Der
Ostflügel, der ursprünglich einen Saal enthielt, wurde
in späterer Zeit verbaut, im 2. Weltkrieg wurde der Großteil
des Baues zerstört.
Werner ist der Meinung, daß es sich bei Bussi nur um kleine
Arbeiten, vielleicht auch um Ausbesserungen, gehandelt habe (Dehio
Wien, 1954, 192; Werner, 1992, 160;).
5.9 WIEN,
Belvedere, Rennweg 6.
Ehem. Gartenpalais
des Prinzen Eugen von Savoyen.
Das Obere Belvedere wurde zw. 1721-22 nach einem Entwurf von J.L.
von Hildebrandt erbaut. Im Inneren wurde es unter Mitwirkung von
Claude le Fort du Plessy ausgestattet. Die Stucchi, Deckenreliefs
in 13 Sälen und das Wandrelief im Treppenhaus werden Santino
Bussi 1722-23 zugeschrieben (Dehio Wien, 1954, 109; Dehio, 1993,
82; Saur, 1997, 345).
Das Untere Belvedere wurde zw. 1714-16 nach einem Entwurf von
J.L. von Hildebrandt erbaut und 1945 durch Bomben stark beschädigt.
Nach Jakob Werner kommt auch der Stuckdekor im unteren Palast
für Bussi in Frage. Stilistisch entsprechen dem vor allem
die Putti und das Deckenrelief "Triumph des Prinzen als Feldherr"
in der Marmorgalerie, sowie die Plafonds (Zuschr.) in zwei anschließenden
Kabinetten (Werner, 1992, 162).
5.10 WIEN,
Peterskirche, Kollegiat- und Stadtpfarrkirche, Petersplatz.
Der Legende nach wurde die Kirche von Karl dem Großen 792
gegründet, erste urk. Nennung 1137, nach Brand 1276 erneuert,
1399 Bau der Valentinskapelle, 1555-57 Wiederherstellung durch
Wolfgang Lazius, 1643 weitere Wiederherstellungsarbeiten. Die
Figuren am Hochaltar sowie den Dekor an Oratorien und Orgelchor
schuf Bussi 1730-1733 nach Entwürfen seines Schwiegersohnes
Antonio Galli Bibienas (Werner, 1992, 155).
5.11 WIEN, Hofburg vor 1714?
Die Ernennung Bussis zum Hofstukkateur im August 1714 legt den
Schluß nahe, daß er auch in der Hofburg beschäftigt
war. Wahrscheinlich war er um 1699 an der Ausstattung des Leopoldinischen
Traktes mit Stuckdecken beteiligt, die durch spätere Umbauten
verlorengingen. Es wäre aber auch möglich, daß
er am Dekor von Triumphpforten, oder Trauergerüsten, also
ephemer Architektur, mit den Kaiserhof mitwirkte (unkl. Zuschr.)
(Werner, 1992, 167).
5.12 WIEN,
Gartenpalais Harrach, Ungargasse.
Bussi stuckierte mehrere Räume des Palais in den Jahren 1728-31.
Der Bau wurde 1850 gänzlich verändert und 1945 schwer
beschädigt, sodass sich nichts erhalten hat. Bruno Grimschitz
belegt Bussis Tätigkeit in seinem Werk "Johann Lukas
von Hildebrandt", Wien 1932, S. 97-98 (Werner, 1992, 160).
5.13 WIEN,
Kirche der Barmherzigen Brüder, Tourstr. 16.
Der Hochaltar füllt die gesamte Altarwand aus, über
hohem Sockel sind übereckgestellte korinthische Pfeiler,
Pilaster und Säulen angebracht; darüber ein Diadembogen,
von volutengerahmten dreieckübergiebeltem Aufsatz bekrönt.
Am Giebel des Hochaltars (1735-36) sind Putten angebracht und
auf den Voluten sitzen der Erzengel Michael und Raphael von Santino
Bussi (Dehio, 1993, 4).
5.14 WIEN, Januariuskapelle, bei Ungargasse 69.
An den Seitenaltarnischen befinden sich Stuckreliefs von Santino
Bussi (Dehio, 1993, 57).
5.15 WIEN,
Palais Schwarzenberg, Rennweg.
Eine Beteiligung Bussis am Stuck im Inneren des Palais, das nach
Entwürfen Hildebrandts 1697-1715 errichtet wurde, scheint
aus stilistischen Gründen möglich, wenn auch nicht nachweisbar
(Werner, 1992, 162).
Werke außerhalb von Wien:
5.16 BÖHMEN, Libochovice/Litomerice, Schloß, Barocke
Stuckdecken, zw. 1683 und 1609,
19. Jh. verändert, (unkl. Zuschr.).
5.17 BÖHMEN, Libesice/Litomerice, Kapelle z. Hl. Franz
Xaver, reicher Stuck in der Kuppel der Kapelle, um 1687, (unkl.
Zuschr.).
5.18 PRAG, Palais Czernin, Stuck in den Sälen und Zimmern
des Gartentraktes, um 1690-
1692/93.
5.19 FELSBERG, Valtice in Mähren, Franziskanerkirche,
Ende 17. Jahrhundert (zerstörtes
Werk).
5.20 AUSTERLITZ (SLAVKOV) bei Brünn, Schloß: 9 Stuckdecken
mit Figuren und Dekor,
zw. 1699 und 1701; Schloß, Garten-Casino (zerstörtes
Werk), 1697-98.
5.21 UNGARN, Rackeve, ehem. Schloß des Prinzen Eugen,
1702-1703 (unkl. Zuschr.).
5.22 PRAG, Schloß Kolodeje: 11 Deckenreliefs mit mythologischen
Szenen, Ornamente mit
frühem Bandlwerk, 1710-11.
5.23 SALZBURG, Schloß Mirabell (Stuck von Santino ist
durch spätere Umbauten
verschwunden), Vertrag mit Hildebrandt, seit 1713.
5.24 PRAG, Palais Clam- Gallas: Stuck im Treppenhaus, 1715.
5.25 OBERÖSTERREICH; Stift St. Florian, Prunkstiege,
Mitarbeiter mit Jakob Castelli am
Deckenspiegel, 1715.
5.26 LINZ, Landhaus, Santinos Werke (um 1717) werden 1800
durch Brand vernichtet.
5.27 DÜRNSTEIN in Oberösterreich, Siftskirche, Stuckausstattung:
7 Deckenreliefs,
zahlreiche Putti, Altarplastiken, 1723- 24.
5.28 DÜRNSTEIN a. D., D. Krems (ST: Pölten, N),
ehem. Stiftskirche der Augustiner
Chorherren: Stuckreliefs an den Gewölben des Mittelschiffes,
1723-24.
5.29 MELK, Stiftskirche, Innendekoration, Seiten-Kapellen:
14 Supraporten, szen.
Reliefmedaillons; Putti und Dekor an Oratorien, 1724- 25.
5.30 WROCLAW, Dom, Kurfürsten- Kapelle: Stuckdekor,
zw. 1721-1725.
5.31 Kirche von ABSDORF, 1727. (unklare Zuschr.).
5.32 BRESLAU, Dom, Kurfürstenkapelle,1727. (Gurlitt,
1889, 219).
5.33 KLOSTERNEUBURG, Stiftskirche, Stuck im Presbyterium: 2
Supraporten, 2 szen.
Stuckmarmorreliefs, Dekor und allegor. Reliefs in Fensterleibungen,
1729.
5.34 NIEDERÖSTERREICH, Jagdschloß: Deckenstuck mit
figuralen Reliefs in Sälen z.T.
erhalten; Kapelle: Altarengel; Sala Terrena (Zuschr.): Dekor
rekonstr., 1729-31.
5.35 BREITENFURT bei Wien, ehem. Schloßkapelle: Altar-
und Nischenfiguren, 1732
(Zuschr.).
5.36 BRUCK AN DER LEITHA, Schloß Prugg (Harrach),
1737.
FALSCHE
ZUSCHREIBUNGEN
5.37 WIEN,
Palais Questenberg- Kaunitz, Johannesgasse 5 und 5a.
Der Deckenstuck
in Vestibül und Treppenhaus entstand um 1705. Es handelt
sich um fadenförmige Akanthusranken, wie sie auch Bussi in
dieser Zeit verwendete. Die stilistische Zuschreibung an Bussi
scheint zunächst plausibel (Zuschreibung an Bussi in ÖKT,
1914, 286; Sailer, 1943, 75; Dehio, 1954, 79; ÖKL, 1976,
286) wird aber bei Petr Fidler (Petr Fidler, Sbornik Praci Filosofitcke
Fakulty Brnenske Univerzity F 18, 1974, 79) durch Quellen wiederlegt.
Nach ihm arbeitete Girolamo Alfieri mit Paul Stelzer 1703-1705
im Wiener Palais Questenburg (Werner, 1992, 168).
5.38 WIEN,
Refektorium des Barnabitenklosters, St. Michael.
Die Stuckdecke
entstand in der Zeit zwischen 1710 und 1714. W. Rizzi (Wilhelm
G. Rizzi, Das Refekktorium- Baugeschichte und Ausstattung, in:
Katalog z. Ausst.. "St. Michael, Stadtpfarrkirche und Künstlerpfarre
von Wien", Wien 1989, 185-186) schlägt Antonio Beduzzi
als Inventor und Santino Bussi als Ausführenden vor und erwähnt
Deckenrisse, die nach Werner keine unmittelbare Ähnlichkeit
mit der Refektoriumdecke aufweisen. Werner (Werner, 1992, 168)
hält es für wahrscheinlicher, daß Antonio Aliprandi,
der auch den stilistisch ähnlichen Rankendekor in der Einfahrt
stuckiert hat, der ausführende Stuckateur war.
5.39 MELK,
Stift Kaiserstiege.
Werner, 1992
lehnt das Werk aus stilistischen Gründen ab. Die archivalisch
nicht belegte Zuschreibung gibt H. Tietze (Österreichische
Kunsttopographie III, bearbeitet von H. Tietze, Wien 1909, 286).
5.40 BÖHMEN,
Kladrau (Kadruby), Stiftskirche, um 1716.
Von Albert
Ilg (A. Ilg, Die Fischer von Erlach, Wien 1895, 410) stammt die
Vermutung, ein in diesem Zusammenhang genannter Santini sei identisch
mit Bussi. Dies wird von Riesenhuber (Riesenhuber, 1924, 422)
weitergetragen. Werner (Werner, 1992, 169) verweist auf eine Verwechslung
mit dem Architekten J. Santini, der 1712- 1726 die Klosterkirche
von Kladruby in barocker Gotik ausgestaltete.
5.41 KLOSTERNEUBURG
bei Wien, Stift, Kaiserzimmer.
Die falsche
Zuschreibung an Bussi stammt von O. Pollack (Thieme- Becker, 1911,
293). Preimesberger (R. Preimesberger, Notizen zur italienischen
Stukkatur in Österreich, in: Arti e Artisti die Laghi Lombardi
II, Como 1964, 329) vermutet noch Entwürfe Santinos und versucht
dies stilistisch zu begründen.
Die Autorschaft Santino Bussis wird archivalisch wiederlegt, nach
Werner (Werner, 1992, 170) schuf die Stuckdecken im Kaisertrakt
Antonio Cajetano Bussi zwischen
1738-39. Nach dessen Tod, im Februar 1739 vollendete sie Giovanni
Battista d´Allio.
5.42 ANZBACH,
Schloss, Treppe.
Die Zuschreibung
an Bussi stammt von O. Pollak (Thieme- Becker, 1911, 293; ÖKT,
1914, 286, ÖKL, 1976, 286) und wird bei Sailer (Sailer, 1943,
75) übernommen. 1992 verweist Werner auf eine Verwechslung
mit einem gewissen Buzi, der in Ansbacher Kreis noch nach 1736
arbeitete.
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| 7.
BIBLIOGRAPHIE
DBI VII, Dizionario
Biografico degli Italiani, Instituto della Enciclopedia Italiana,
Volume VII, Roma 1965.
DEHIO-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Wien,
II. bis IX. und XX. Bezirk, Wien 1993.
DEHIO- Handbuch der Kunstdenkmäler Österreichs, Wien,
3. Auflage 1954, hsg. von Justus Schmidt und Hans Tietze.
FANTI, Vincenzo, Descrizzione completa...( Katalog der fürstlich
Liechtensteinischen Galerie), Wien 1767, 126-127.
GURLITT, Cornelius, Geschichte des Barockstils und des Rococo
in Deutschland, Stuttgard 1889.
HAJDECKY, A., Exzerpte zur österreichischen Kunstgeschichte
aus Wiener Pfarrmatrikeln und den Totenbüchern der Stadt
Wien, Wien 1908 (Quellen zur Geschichte der Stadt Wien, I.Abt.VI.Band).
ÖKL 1976, Österreichisches Künstlerlexikon von
den Anfängen bis zur Gegenwart, verfaßt von Rudolf
Schmidt, Band 3, Wien 1979, 286-287.
ÖTK, Österreichische Kunsttopographie XIII, Die profanen
Dkm. Der Stadt Salzburg, bearbeitet von H. Tietze, mit archival.
Beiträgen von F. Martin, Wien 1914.
PREIMESBERGER, Rudolf: Notizen zur italienischen Stukkatur in
Österreich, in Arte e Artisti die Laghi Lombardi II, Como
1964, S.325 ff.
RIESENHUBER, Martin, Die kirchliche Barockkunst in Österreich,
Linz 1924.
SAILER, Leopold, Die Stukkateure (Die Künstler Wiens I),
Wien 1943.
SAUR, Allgemeines Künstler- Lexikon, Die Bildenden Künstler
aller Zeiten und Völker, Band 15, München- Leipzig 1997.
SCHÄFFER, Gottfried, Der Freskomaler Carlo Antonio Bussi
und seine Werke in Passau und Vöcklabruck, Arte Lombarda
XI, 1966/II.
THIEME-BECKER, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler,
Bd. 5, Leipzig 1911.
WERNER, Jakob, Santino Bussi 1664-1736 (Dipl.,- Arbeit), Wien
1992.
©Andrea
Volgger, August 2002
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