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Institut für Kunstgeschichte Innsbruck
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COLOMBO, Giovanni Battista

 

1. COLOMBO, Giovanni Battista

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Maler, Architekt, Stuckateur

3. BIOGRAPHIE

Der italienische Künstler wurde als Sohn von Luca und Margherita Fontana um 1638 (oder 1648?) in Arogno/Tessin(?) geboren. Er verstarb um 1700 in Warschau. Er ist der Enkel von Giovanni Antonio und Francesca Caterina Maggi von Arogno, die zu einer der wichtigsten nach Böhmen ausgewanderten Künstlerdynastien gehörte.

Ein Zeit lang war auch er in Böhmen tätig.

Obwohl Colombo zu den bedeutendsten in der Donaumonarchie tätigen Barockkünstlern gehört, ist bis heute seine Ausbildung unbekannt, angenommen wird jedoch, dass er seine Schulung in Turin erfahren hat. Ebenso unzureichend erforscht und gewürdigt ist sein umfangreiches und vielseitiges Werk. Colombo hatte für die Malerei mehr Talent als für die Bildhauerei und zeigte in seinen Bildern eine deutliche Nähe zum italienischen Manierismus, die aber durch die Einflüsse, denen er in den nördlichen Ländern unterstanden hatte, gedämpft wurde.

1664 wird er in Prímbram bei einer Taufe erwähnt und in Prag mit der Stuckierung der West-Seite der Loreto-Kapelle (vollendet von Giovanni Bartolomeo Cometta) betraut. Am 8.5.1665 unterzeichnet er den Kontrakt zur Ausmalung der Pilsner Kapelle (Stuck von G.B. Cometta) auf dem Hl. Berg (Svatá Hora) bei Príbram, wo er auch die Maria-Magdalena-Kapelle mit künstlerischen Tropfstein ausstattete. Nachdem er im Dezember 1666 Donato Ferrati im Streit getötet hatte, flieht er aus Príbram.

Zugeschrieben wird Colombo der Stuck der Stiftskirche Waldhausen/OÖ ( 1650-1680 erbaut von Carlo Anonio Canevale und Christoph Colombo). Aufgrund stilistischer Analogien kommt Colombo auch als Autor der Stuckdekorationen in der 1666-74 erbauten Dominikanerkirche in Wien in Betracht.

Um 1668 signiert Colombo die Fresken „Tod und Glorie des hl. Benedikt“ der Kapelle im Joanneum in Graz, Ausgangspunkt für die Zuschreibung weiterer Fresken in der Steiermark, v.a. in der Wallfahrtskirche Mariazell/Stmk. (cf. DBI), wo 1669-75 Zahlungen an Colombo dokumentiert sind, aber auch Seccomalereien (um 1682) in der Schloss-Kapelle Seggau bei Leibnitz/Stmk.

Laut Inschrift „Aetatis suae 32“, malte Colombo um 1670 die Fresken so wie das Altarbild der Cappella dei Re Magni in S. Stefano zu Arogno. Am 23.5.1677 schloss Colombo „Vituoso, Maller und Stuccator“ einen Vertrag zur Dekoration der Kirche Maria Taferl/NÖ (Ausmalung nicht erhalten; Stuck Colombo zugeschrieben).

1680 malte Colombo die Deckenfresken mehrerer Räume im Gästetrakt der Abtei Kremsmünster. 1682 wurde er für die Stuckierung der Stiftskirche (unter Leitung von C.A. Carlone 1683 vollendet) bezahlt. Auch dort arbeitete er mit Giovanni Battista Barberini zusammen, den er selbst in seinem am 10.1.1680 vorgelegten Angebot für die Ausführung vorallem der figürlichen Partien vorschlug.

1681 wurde er gemeinsam mit Barbarini, als seinem Bauführer, für den Hauptaltar der Jesuitenkirche in Linz bezahlt.

Am 3.11.1682 wurde der Kontrakt zur Errichung des erhaltenen Hochaltars (1690 vollendet; Zeichnungen erhalten) in der Kirche des Chorherrenstifts St. Florian/OÖ unterfertigt, wo Colombo verschiedene Gemälde und Fresken (u.a. 3 im Gobelinzimmer, 1680) zugeschrieben werden. Der Stuck im dortigen Gartenpavillon (1681 erbaut von C.A. Carlone) ist beinahe identisch mit dem in Kremsmünster, weshalb Colombo als Autor der Entwürfe gelten kann.

1689 wird er in Wien Pate eines Kindes des Stuckateurs Hieronymus Alfieri. 1690 wird Colombo von König Jan III. Sobieski nach Warschau berufen. Hier wird Colombo aufgrund einer „G.B. delineavit“ bezeichneten Zeichnung (Mailand, Castello Sforzesco) mit dem Entwurf der Fassade der Johanneskirche in Verbindung gebracht, sowie mit dem Umbau der Königlichen Grab-Kapelle in der Kapuzinerkirche.

Letztmalig nachweisbar ist Colombo 1692, als er für die Deckenfresken „Ölberg“ und „der 12jährige Jesus im Tempel“ in der Ägidiuskirche zu Vöcklabruck/OÖ, 1692 bezahlt wird, deren Vollendung er 1690 nach dem Tod von Carlo Antonio Bussi übernommen hatte. Die in der Literatur (u.a. Feuchtmüller) Colombo zugeschriebenen malerische Ausstattung der Stiftskirche Waldhausen/OÖ (1650-80 erbaut), wird aufgrund der Unbeholfenheit der figürlichen Komposition der Fresken neuerdings bestritten.

Auch für das 1668 datierte Hauptaltarbild der Pfarrkirche Proleb/Stmk. kommt Colombo aus Qualitätsgründen als Autor nicht in Frage, ebenso wenig für die Stuckdekorationen der Pfarrkirche Ardagger/NÖ (cf. Preimesberger, CCLL II, 1964), wo die Gewölbefresken (nach 1678) des Mittelschiffs vom Meister der Chorfresken der Wiener Servitenkirche (um 1669) stammen sollen (Fassbinder), in dem auch Colombo als Schöpfer vermutet werden kann. Zu erwähnen sind außerdem Gemälde (Lw.) im Chor der Pfarrkirche Ligornetto/Tessin.

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Vater des Malers Luca Antonio Colombo und des Stuckateurs Angelo Domenico Colombo. Nicht zu verwechseln mit seinem Neffen, dem Maler Giovanni Battista Innocenzo Colombo.

 
5. WERK (OBERÖSTERREICH)

Melk/NÖ, Benediktinerabtei, Stifts-Archiev: Hochaltarentwurf, Feder aquarelliert

5.1. WALDHAUSEN IM STRUDENGAU (BH. Perg): ehem. Stiftskirche Mariae Himmelfahrt, 1650

Der einheitlicher Bau wurde um 1650 begonnen, in den 60er Jahren vollendet, aber erst 1693 geweiht. Als Baumeister werden Christof Colombo und Carlo Canevale genannt. Sie ist im Typus der Jesuitenkirche errichtet (1schiffiges 4jochiges stichkappentonnegewölbtes Langhaus mit je 4 Seitenkapellen, darüber Emporen mit Quertonnen; leicht eingezogener 2jochiger stichkappengewölbter gerade geschlossener Chor).

Der übersichtliche, helle Innenraum ist reich mit Stuckverzierungen von Giovanni Battista Colombo (?) und Deckengemälden (Darstellung aus der Apokalypse, Mariae Himmelfahrt, Bekehrung Saulus´, Marter des hl. Laurentius im Langhaus; hl. Johannes auf Patmos, Darstellung aus der Apokalypse im Chor) der Brüder Grabenberger (?) ausgestattet.

Die barocke West-Fassade wird von einem Turm beherrscht, der ein Zeltdach trägt. In der Fassadennische befindet sich eine Statue der Maria mit Kind aus dem 3. Viertel des 17. Jh. Die reiche Stuckzier schuf Christof Colombo zwischen 1650 und 1680. (BRUCHER: Die Kunst des Barock in Österreich. 1994, S. 140; HAINISCH: Dehio-Handbuch. Oberösterreich. Wien 1958, S. 358)

5.2. KREMSMÜNSTER (BH. Kirchdorf): Benediktinerabtei, Klosterkirche göttlicher Heiland und hl. Agapitus

Die Benediktinerabtei liegt auf einer Terrasse nördlich des Marktes. Sie wurde 777 von Herzog Tassilo III. von Bayern gegründet und erlangte unter den Karolingern große Blüte. Infolge der Ungarneinfälle kam es zur Unterstellung der Abtei unter das Bistum Passau. Es kam zu einem neuerlicher Aufschwung im 11. und 12. Jh. Im 11. und 12. Jh. wurde eine Schreibstube eingerichtet und eine weitere um 1300. Eine weiter Hochblüte hatte die Abtei in der 2 Hälfte des 17. Jh. und im 18. Jh. – Die Anlage des Klosterbezirke, eine der größten Österreichs, ist ein Hauptbeispiel der österreichischen Barockbaukunst um 1700 (vgl. Garsten, St. Florian, Schlierbach, Baumgartenberg)

Der Kirchenbau erfolgte in zwei Schritten 777 und 1063. Erst 1082 kam es zur Einweihung – Nach mehreren Bränden kam es 1232 erneut zum Neubau.

Die Stuckdekoration (besonders reich an den Gewölben) wurde 1680/81 von Giovanni Battista Colomba und Giovanni Battista Barberini (figürliche Teile) unter Mithilfe der Gesellen Girolamo Bapttista Perusi , Pietro Petri , Carlo Antonio Martinelli , Girolamo Alfieri und Wolfgang Grinzenberger geschaffen. Die Dekoration umfasst Blumen und Fruchtschnüre an den Rippen, Gurtbögen usw. - sie überwuchern im gesamten aber nicht die Architektur, sondern passen sich ihr an. In den Zwickeln der Arkadenbogen sind Engeln und an den Gewölbefüßen der Seitenschiffe sind Heilige eingeschrieben. (HAINISCH: Dehio-Handbuch. Oberösterreich. Wien 1958, S. 136 – 138)

5.3. LINZ AN DER DONAU: Jesuitenkirche hl. Ignatius (alter Dom), Domgasse Nr. 3; und ehem. Jesuitenkollegium, jetzt Hauptpost, Domgasse Nr. 1.

Die Kirche wurde 1669 begonnen und 1674 kam es zur Vollendung des Rohbaus. Die Stuckierung wurde 1676 und 1678 geweiht. Der Architekt ist vermutlich Pietro Francesco Carlone (Verwandtschaft mit dessen Stiftskirche in Garsten).

Von 1785 bis 1909 war sie Domkirche.

Bau: 1schiffiges 4jochiges Langhaus von festlich-prunkvoller Wirkung und stilistisch einheitlicher Ausstattung, Tonnengewölbe mit Gurten und Stichkappen, der eingezogene gerade geschlossene Chor ist 2jochig. Die West-Musikempore ruht auf 2 bogentragenden Marmorsäulen. Im Langhaus befinden sich je 3 längsgerichtete Seitenkappen mit Emporen darüber die mit Quertonnen überwölbtsind. Die Wandgliederung ist durch korinthische Kolossalwandpfeiler mit vergoldeten Kapitellen, reiche Stuckverzierung an Gewölben und Brüstungen mit Engeln und Wappenkartuschen geprägt. In den Seitenkapellen befinden sich eingelassene Gemälde auf Leinwand mit religiösen Szenen, teilweise bezeichnet mit Johann Wolfgang Dallinger 1692.

In der wuchtig gegliederten 2turmigen Schauseite, wurden die Turmhauben 1805 an Stelle von Zwiebelhelmen errichtet. Über dem Hauptportal mit Säulen und Torflügeln mit Knorpelwerk (aus der Erbauungszeit) befindet sich eine Marmorstatue der Maria Immaculata aus dem 17. Jh. Auf dem Dachgiebel befindet sich eine Kolossalstatue des hl. Ignatius, darunter in Nischen Steinstatuen des hl. Franz Xaver links und des hl. Franz Borgia rechts, alle aus der Erbauungszeit.

Einrichtung: Im Chor befindet sich ein Marmorhochaltar der von Giovanni Battista Colomba entworfen wurde, aber von Giovanni Battista Barberini 1681 bis 1683 ausgeführt wurde. (Marmorstatuen: hl. Franz Xaver, hl. Joseph mit Jesuskind, hl. Leopold, hl. Franz Borgia, auf dem Gebälk hl. Katharina und hl. Barbara. Altarblatt: Himmelfahrt Mariae; bezeichnet Antonio Bellucci ; ursprünglich ehemaliges Nikolai-Kloster, Wien, 1785 erworben. Ursprünglich: hl. Ignatius mit Allegorien der 4 Weltteile, vermutlich von Andrea Celesti - verschollen. Oberbild: Dreifaltigkeit, vermutlich von Celesti .) Das Chorstühle, das ursprünglich aus der Stiftskirche Garsten stammt, ist reich verziert und mit figürlichen Grotesken geschmückt. Urkundlich stammt es von Michael Obermüller , der es 1633 fertigte. 1856 wurde es hierher übertragen. (HAINISCH: Dehio-Handbuch. Oberösterreich. Wien 1958, S. 167-168)

5.4. St. FLORIAN: Hochaltar

Einrichtung: Chor und Vierung:

Der Hochaltar wurde aus rotem Salzburger Maromor, von Johann Battista Colomba 1683-90 gefertigt. Die Statuen stammen von Guiseppe Boni , das Altarblatt von Guiseppe Ghezzi (1687) und der Tabernakel von Johann Jakob Sattler (1769). In der Vierung – an beiden Seitenwänden – befindet sich ein reich geschnitztes Chorgestühl von Adam Franz (Linz) aus den Jahren 1690/91. Die hellen fleischfarbenen Putten sorgen für einen guten Kontrast dazu. Auf den Musiktribünen befindet sich je ein Chorengel in reich geschnitztem Gehäuse, beide stammen von den Händen Josef Remmer (Wien) von 1691 ( die Orgel der Wpistelseite 1875, jene derEvangelienseite 1930 umgebaut). Die 2 Wandlungsleuchter vor dem Hochaltar wurden von Peter Anton Jakomini (Passau) 1754 gefertigt. (HANISCH, 1958, p. 266)
6. ABBILDUNGEN


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©Christina Huber, November 2004

8. ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

 

 
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