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Institut für Kunstgeschichte Innsbruck
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LUCHESE, Filiberto

 

1. LUCHESE, Filiberto (Filip Alberto, Filippo, Philipert, Philiberto) Lucchese, Lucchesi, Luches, Luchesi, Luckes, Lugesch;

 

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Kaiserlicher Hofbaumeister und Ingenieur, Architekt, Stukkateur, Geometer

 

3. BIOGRAPHIE

getauft 26.12.1606 in Melide (Tessin) – gest. 21.05.1666 in Wien (am „hietzigen Fieber“ )

Filiberto Luchese entstammt einer ital. Architekten- und Steinmetzfamilie aus dem Raum des Luganer Sees, wurde am 26.12.1606 in Melide getauft und ist am 21.05.1666 in Wien im Alter von 60 Jahren gestorben. Sein Taufname lautete Filip Alberto, der ihm vermutlich im Gedenken an seinen Großvater Alberto Luchese verliehen wurde. Seine Lehrzeit dürfte er zwischen 1620-1630? vermutlich in einer Lehrwerkstatt im Umkreis seiner Verwandtschaft absolviert haben.

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Filiberto Luchese entstammt einer Baumeisterfamilie aus dem Raum des Luganer Sees. Sein Urgroßvater Giovanni Luchese d. Ä. übte nachweislich bereits in den 30-er Jahren des 16. Jh. in Prag den Beruf des Maurers aus und trat später, bis zu seinem Tod, gemeinsam mit seinem Sohn Alberto Luchese in die Dienste Ferdinands II..

Filibertos Großvater Alberto Luchese hatte in Innsbruck das Amt des Hofbaumeisters inne, bis er schließlich vor 1600 nach Melide zurückkehrte, wo er auch verstarb.

Als Sohn von Giovanni Luchese d. J., dessen Beruf nicht bekannt ist, und seiner Frau Elisabetta hatte Filiberto Luchese noch mehrere Geschwister, u.a. war er der Bruder von Domenico Luchese (geb. 18.09.1612) der eine militärische Laufbahn einschlug, von Giovanni Battista Luchese (gest. 1675), der als Stukkateur tätig war, von Maria Luchese, eine verehelichte de Biancini (seit 1626 Ehe mit Christoph de Biancini) und von Domenico Luchese, der als Stukkateur in Österreich und Ungarn arbeitete. F. Luchese selbst dürfte als Junggeselle keine Nachkommen hinterlassen haben.

F. Lucheses Freundeskreis ist vor allem innerhalb der italienischen Gemeinde in Wien zu suchen, u. a. verband ihn eine enge Freundschaft mit der italienischen Familie Tencalla aus Bissone, besonders mit Carpoforo Tencalla, der ein bevorzugter Freskomaler von F. Luchese war, und mit Giovanni Pietro Tencalla, der sein Socius u. späterer Nachfolger als kaiserlicher Hofarchitekt war ( - dessen Vater Constante Tencalla war bis zu seinem Tod 1646 als Hofarchitekt des polnischen Königs tätig).

Weiters zählte die in Wien lebende Familie Carlone zu seinem Freundeskreis, worauf auch seine Patenschaft für Sebastian Filiberto Carlone (1655:Taufpate im Wiener Stephansdom) hinweist.

Die Familie Carlone dürfte F. Luchese auch mit einem seiner wichtigsten Auftraggeber dem Grafen Adam Batthyány bekannt gemacht haben, für den er, wie auch für die Familie Pálffy, seit 1640 tätig war. Seit dieser Zeit stand F. Luchese auch als Militäringenieur im Dienst von Kaiser Ferdinand III.. Zu weiteren Auftraggebern F. Lucheses zählten noch der spanische König Phillip IV. und auch die französische Königin Anna.
 
5. WERK (BURGENLAND)

5.1 Die Stuckarbeiten in der Schlosskapelle von Schloss Rechnitz , die im Zeitraum vom Sommer 1640–1641 entstanden und von Graf Adam Batthyány in Auftrag gegeben wurden, gelten als ein Werk des F. Luchese, der 1640 noch zusätzlich einen Altarentwurf für die Schlosskapelle anfertigte. Schloss Rechnitz existiert heute leider nur noch als Ruine, da es 1945 in den letzten Kriegstagen des II. Weltkriegs aus bisher noch ungeklärten Gründen abgebrannt ist.

5.2 Die Städteplanung von Schlaining dürfte auf F. Luchese zurückzuführen sein. Einen Hinweis darauf liefert ein Schuldenverzeichnis von 1658, worin F. Lucheses Tätigkeit als Geometer von 1642-1643 in Schlaining erwähnt wird.

Laut P. FIDLER (1988, S. 182) dürfte F. Luchese im Auftrag der Grafen Batthyány den Plan für den Umbau der Burg Schlaining entworfen haben, die unter der Bauleitung von Simone Retacco von 1642-1652 umgebaut wurde. Ein Nachweis für F. Lucheses Beteiligung beim Umbau kann erst ab 1647 (P. FIDLER,1990, S. 152f) erbracht werden. Ein Anhaltspunkt, der für eine Beteiligung Lucheses spricht, ist auch eine formale Zuordenbarkeit der Stuckarbeiten zum Umkreis des F. Luchese.

Nach Angabe von D. FREY (1929, S. XXVI) kam die Burg Schlaining erst 1648 in den Besitz der Grafen Batthyány, woraus hervorgeht, dass der Zeitpunkt des Baubeginns erst später erfolgt sein müsste.

5.3 Im Auftrag von Graf Adam Batthyány, der seit 1644 durch Kauf in den Besitz der Burg Bernstein kam, übernahm F. Luchese ab 1645 (SCHMELLER-KITT, 1980, S.43) bzw. aufgrund anderweitiger Verpflichtungen in Wien wahrscheinlich erst ab 1647/1648/1649 (lt. CZEIKE, 1988, S. 245: 1647;lt. FIDLER, 1990, S. 154: 1648; lt. LORENZ, 1999, S. 564: 1648/1649) –1650 die Bauleitung des Rittersaals im Erdgeschoss des (Süd-)Osttraktes der Burg Bernstein , wofür er 1648 honoriert wurde. Der Rittersaal wurde als profaner Festsaal mit Stuckdekoration an Wänden und Decke ausgestattet. In den Fensternischen befinden sich Jagdszenen, weiters sind vor allem Szenen aus den Metamorphosen des Ovid dargestellt, die nach Kupferstichen des Antonio Tempesta (von 1606) gefertigt sind.

5.4 Bautätigkeit in Güssing: Neben einer Beteiligung bei der Modernisierung des Batthyánischen Schlosses in Güssing dürfte F. Luchese auch die Planung des von Graf Adam Batthyány 1638 gegründeten Franziskanerklosters und der Klosterkirche „Mariä Heimsuchung“ in Güssing übernommen haben. Die Pläne von F. Luchese für die Klosteranlage der Franziskaner lagen im Sommer 1641 vor, womit ein Baubeginn ab diesem Zeitpunkt möglich wäre. Die Fertigstellung der Sakralbauten dürfte schließlich um 1649 erfolgt sein, wobei über die ausführenden Bauleute und über den Verlauf der Bauarbeiten nichts bekannt ist. Der Güssinger Hochaltar , der mit 1649 datiert ist, basiert möglicherweise ebenso auf einem Entwurf des F. Luchese.

5.5 Der Entwurf (um 1663) für das Schloss Esterházy in Eisenstadt stammte wahrscheinlich vom Wiener Hofarchitekten F. Luchese. Es existieren noch andere Pläne für dieses Bauwerk, die vermutlich der ersten Planungsphase (Vertrag von 1663) angehören, aber nicht ausgeführt wurden und wahrscheinlich dem Baumeister Carlo Martino Carlone (1616-1665) zuzuschreiben sind, den D. FREY (1929, S. X) für den eigentlichen Architekten des Schlosses hielt.

Der vorhergehende Bau, das mittelalterliche Schloss Eisenstadt, eine kastellartige Vierflügelanlage mit quadratischen Ecktürmen um einen rechteckigen Hof, war seit 1622 im Besitz der Familie Esterházy. Da dieses Gebäude aufgrund seiner Baufälligkeit nicht bewohnbar war, zog es der erste Besitzer Graf Nikolaus Esterházy vor in einem Herrenhaus in Großhöflein zu leben. Die Auftragserteilung für den umfangreichen Umbau der mittelalterlichen Stadtburg in einen Barockbau, erfolgte erst ab 1663 durch seinen Sohn Paul I. Esterházy (Regierungsdauer:1652-1713). Der gesamte Schlossumbau war lt. einer Bauinschrift im Innenhof des Schlosses im Jahr 1672 nach fast zehnjähriger Bauzeit abgeschlossen. Nachdem der erste Baumeister Carlo Martino Carlone bereits frühzeitig aufgrund seiner „Schwäche“ und anderer Verpflichtungen außerstande war seine Arbeit fortzusetzen, wurde (lt. FIDLER, 1990, S. 202) die Bauleitung auf seinen Polier Sebastiano Bartoletto übertragen. Antonio Carlone dürfte dabei als Polier an diesem Bau beteiligt gewesen sein. Eine andere Version (lt. HOLZSCHUH, 1995, S.148) lautet, dass der Umbau des Schlosses ab 1666 gemäß eines neuen Kontraktes durch Domenico Carlone (um 1615-1679) als Baumeister weitergeführt wurde, der Antonio Carlone (Sebastiano Bartoletto?) in dieser Tätigkeit ablöste.
 
6. ABBILDUNGEN

5.1 Schloss Rechnitz:

Innenansicht der Schlosskapelle von Rechnitz :

Bildnachweis: FREY, 1929, S. 70, Foto: österr. Bundeslichtbildstelle

Bildmaterial im Internet (20. 02. 2004):

www.rechnitz.com/rechnitz/admin/galleryvorschau.jsp?artikelid=5-8k

magazin.orf.at/bgldmagazin/imlamd/erleben/stories/5389/-19k

5.3 Rittersaal der Burg Bernstein:

5.3.1 Innenansicht des Rittersaals mit Stuckarbeiten,

5.3.2 Innenansicht des Rittersaals: Fensternische mit Jagdszenen,

Bildnachweis: FREY, 1929, S. 58f., Foto: österr. Bundeslichtbildstelle

5.3.3 Stuckdecke,

5.3.4 Stuckkartusche : Bildnachweis: LORENZ, 1999, S. 565

5.3.5 Stuckdecke, Ausschnitt ,

Bildnachweis: FREY, 1929, S. 59, Foto: österr. Bundeslichtbildstelle

5.5 Schloss Esterházy in Eisenstadt:

5.5.1 Burg Eisenstadt: Ansicht, Kupferstich von Houfnagel, 1617, Ausschnitt ,

Bildnachweis: PERSCHY, 1995, S. 146

5.5.2 Fassade, Kupferstich von Matthias Greischer, um 1678,

Bildnachweis: HARICH u.a., 1993, S. 18, Foto: Kolorit-Verl. / Archiv

Außenansicht Anfang 20. Jh.:

5.5.3 Fassade,

5.5.4 Gartenfront,

5.5.5 Innenhof des Schlosses,

Bildnachweis: FREY, 1929, S. 5f., Foto: österr. Bundeslichtbildstelle
 
7. BIBLIOGRAPHIE

BRUCHER, Günter (Hg.), Residenzgalerie Salzburg (Hg.), Die Kunst des Barock in Österreich, Residenz Verl., Salzburg und Wien 1994, S. 30f.

CZEIKE, Felix, Das Burgenland, Kunstreiseführer, DuMond Verl., Köln 1988; S. 245f., 279f.

FIDLER, Peter, Filiberto Luchese – Ein vergessener Pionier der österr. Barockarchitektur, in Römische Historische Mitteilungen, Bd. 30, Verl. der österr. Akademie der Wissenschaften, Wien 1988; S. 176-183, 193

FIDLER, Peter, Architektur des Seicento, Baumeister, Architekten und Bauten des Wiener Hofkreises, Habil. Schrift, Innsbruck 1990; S. 145–149, 150-157, 201ff.

FREY, Dagobert, Kunsthistorisches Institut des Bundesdenkmalamtes (Hg.), Das Burgenland, seine Bauten und Kunstschätze, Verl. Anton Schroll & Co, Wien 1929; S. Xf., XXV, XXVIf., XXVIII, XXX, (ABB.: Schlosskapelle Rechnitz: S. 70, Rittersaal der Burg Bernstein: S. 58f., Schloss Esterházy: S. 5f.)

HARICH, Johann, SCHLAG, Gerald, SCHREINER, Emil, SCHUSTER, Karl, Schloß Esterházy, Geschichte und Beschreibung, Kolorit Verl., Wien 1993; S. 16, 33ff., (ABB. S. 18)

LORENZ, Hellmut (Hg.), Geschichte der Bildenden Kunst in Österreich, Bd. IV Barock, Prestel Verl., München, London, New York und österr. Akademie der Wissenschaften, Wien 1999, S. 564ff., (ABB.: Stuckaturarbeiten des Rittersaals der Burg Bernstein: S. 565)

PERSCHY, Jakob Michael (Red.) : Burgenländische Landesausstellung, Eisenstadt 1995: Die Fürsten Esterházy, Magnaten, Diplomaten und Mäzene; HOLZSCHUH, Gottfried: Kapitel: Zur Baugeschichte des Fürstlich Esterházyschen Schlosses in Eisenstadt; S. 144-155, (ABB. S. 146)

(RIESENHUBER, Martin P., Die kirchliche Barockkunst in Österreich, Verl. der Christlichen Kunstblätter, Linz 1924, S. 246)

SCHEMPER-SPARHOLZ, I., Die Stuckdekoration des Rittersaals der Burg Bernstein im Burgenland, ÖZKD 33, 1979; S. 96-102

SCHMELLER-KITT, Adelheid: Dehio-Handbuch Burgenland, Verl. Anton Schroll & Co, Wien 1980; S. 43, 120f.

THIEME, Ulrich, BECKER, Felix, Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Bd. 23, Verl. E. A. Seemann, Leipzig 1929; S. 436 (434)

©Sonja Kölbersberger, September 2004

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

 

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