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Institut für Kunstgeschichte Innsbruck
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PACOBELLO, Martin

 

1. PACOBELLO, Martin; (Martino) Poccabello, Pacobel

 

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Bildhauer

 

3. BIOGRAPHIE

*Anf. Feb. 1630, Graz
Die Familie der Pacobello dürfte um 1600 vermutlich aus Oberitalien eingewandert sein und ließ sich in Kärnten und der Steiermark als Steinbildhauer nieder.
Der Meister wurde in der Nachfolge Ulrich Vogelsangs von der Kärntner Landschaft am 19. Mai 1606 als ständischer Polier und Bildhauer bestellt.
Wie viele seiner Landsleute ehelichte er eine Kärntnerin, Eva, die Tochter des St. Veiter Ratsbürgers Hans Schrott und dessen Gattin Margareta.
Es ist unbekannt, wie viele Kinder aus dieser Ehe hervorgegangen sind.
Der Grabstein an der Stadtpfarrkirche zu Klagenfurt verweist auf die Existenz eines Töchterchens namens Katharina.
Als Mitarbeiter seiner Werkstatt sind u.a. 1613 der Bildhauer Georg Kholmeier, 1616 der aus Leipzig stammende Hans Deissnich genannt sowie der Steinmetz Peter Gruber, welcher 1623 erwähnt wird.
Arbeiten monumentaler Grabmäler steigerten sein Ansehen, was weitere große Aufträge von Kichenfürsten zur Folge hatte.
Am 18. Juni 1619 wurde ihm gegen Leistung des Bürgereides das Bürgerrecht von Klagenfurt verliehen.
Die veränderte Aufgabenstellung an den Künstler im Rahmen der Gegenreformation sowie diverse Streitigkeiten, in die er aufgrund seiner Charakterzüge wie Eitelkeit und Streitsucht (Carinthia I) geriet, veranlassten ihn gegen Ende seines Lebens seine Werkstatt aufzulösen und nach Graz auszuwandern, wo sein Bruder Philibert schon länger tätig war.
Im Rahmen eines Raufhandels mit Andreas von Cronegg Anfang Februar wurde er verletzt. Da er darüber hinaus weitere gesundheitliche Probleme hatte, können diese Verletzungen jedoch nicht als Ursache für den wenige Tage später eingetretenen Tod gesehen werden.
Er gilt als einer der produktivsten und künstlerisch bemerkenswertesten Bildhauer des beginnenden 17.Jh. und führte die Steinbildhauerei, im speziellen die Grabmalplastik, in Kärnten zu einem letzen Höhepunkt.
Ein für Pacobello charakteristisches Ornamentmotiv ist das Zwiebelmuster, welches er in verschiedenen Variationen anwendet.

Viele Werke sichern die Zuschreibung durch Pacobellos charakteristischem Signum MP.
 

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Während sich Martin Pacobello Kärnten als Wahlheimat aussuchte und dort eine Familie gründete, ließ sich sein Bruder Philibert in der Steiermark nieder, wo er anfangs in Judenburg und später in Graz tätig war. Dieser sei zwar auch ein guter Techniker wie sein Bruder gewesen, jedoch fehlte ihm dessen künstlerische Ader. (Carinthia I)
Ein ebenfalls aus der Steiermark stammendes Grabdenkmal mit der Inschrift „Philibertus Pacobel fecit“ weist auf einen Neffen Martins hin.
Nach mehreren monumentalen Grabdenkmälern für Kärntner Familien wie z.B. Georg Siegmund von Neuhaus, Paul und Oswald Dorn, Franz Khevenhüller und Ulrich von Ernau, wuchs sein Ansehen, dass 1618 gleich zwei Kirchenfürsten mit ihm Verträge abschlossen:
Der Propst Vitzdom von Gurk wegen der Errichtung eines neuen Hochaltars sowie Hieronymus Marchstaller, der Abt von St. Paul im Lavanttal bezüglich eines Altares, eines Taufbeckens sowie Statuen.
Die vermutlich letzte seiner Arbeiten in Graz erfolgte im Auftrag des Otto Gottfried von Kollonitsch.

 
5. WERK

5.1. Gurk, Pfarrkirche St. Martin, Epitaph für Familie Georg Siegmund von Neuhaus, 1604

Hellgrauer Marmor, signiert MP

5.2. Villach, Pfarrkirche St. Jakob, Wappengrabstein für Paul und Oswald Dorn, 1605

Weisser Marmor, signiert MP

5.3. Rosegg, Pfarrkirche, Wappengrabstein für Abraham Höhenkirchner, 1605

5.4. Hochosterwitz, Schlosskirche, Wappengrabstein für Franz Khevenhüller, 1607

5.5. Moosburg, Pfarrkirche, figurales Grabdenkmal für Ulrich von Ernau sowie Wappentafel der Ernau, 1609

5.6. Klagenfurt, Landesmuseum, Wappentafel für Ludwig von Dietrichstein, 1609

5.7. Klagenfurt, Stadtpfarrkirche, figuraler Grabstein für seine Tochter Katharina Pacobello, 1610

5.8. Wolfsberg, Stadtpfarrkirche, Wappengrabstein für Laurenz Fries, 1610

5.9. Klagenfurt, Landesmuseum, Wappentafel für Anna von Dietrichstein-Moosheim, 1611

5.10. Gurk, Dom, figurales Grabdenkmal für Karl von Grimming, 1612

5.11. Klagenfurt, Stadtpfarrkirche, Wappengrabstein für Joachim Weinzieher, 1612

5.12. Himmelberg, gegenüber Schloss Biberstein, Grenzstein Prägrad-Ossiach-Piberstein, 1612

5.13. Maria Saal, Karner, Wappengrabstein Hans Pruggmayr zu Tentschach

5.14. St. Veit an der Glan, Stadtpfarrkirche, figuraler Grabstein Nikolaus Platzer, 1613

5.15. Ruine Landskron, ehem.Kapelle, Wappengrabstein für Bartholomäus Khevenhüller

5.16. Murau, Grabstein für Ferdinand Graf von Ortenburg-Salamanka, 1616

5.17. Gurk, Dom, Grabstein für Chorherrn Mellensteiner, 1617

5.18. St. Paul i.L., Stiftskirche, Kapelle der Schmerzhaften Muttergottes, Taufstein, 1619

5.19. St. Veit a.d.Glan, Stadtpfarrkirche, figuraler Grabstein für Philipp Jakob Platzer, 1621

5.20. Murau, Kapuzinerkirche, Grabplatte für Anna Neumann, Gräfin Schwarzenberg, 1623

5.21. Graz, Dom, Wappengrabstein für Freiherrn von Stadl, 1629
 
8. ABBILDUNGEN
 
9. BIBLIOGRAPHIE

Allgemeines Lexikon der bildenden Künste von der Antike bis zur Gegenwart, Begr.v.Ulrich Thieme und Felix Becker, Bd 26, Leipzig 1932
Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs: Kärnten, neu bearb. v. Paul Gleirscher (u.a.), 3. erw. u. verb. Aufl. bearb. v. Gabriele Russwurm-Biró, Wien, 2001
Kienzl, Barbara, Deuter Wilhelm, Renaissance in Kärnten, mit einem Beitrag von Eckhart Vancsa, Klagenfurt 1996 (Die Kunstgeschichte Kärntens)
Kohlbach, Rochus, Steirische Bildhauer, Vom Römerstein zum Rokoko, Graz 1957
Löw, Josef, Von Pacobello bis Hönel, Geschichte des Gurker Hochaltarplanes, 1616-1618, in: Carinthia I, 118(1928)9-15
Morpurgo, Enrico, Gli artisti Italiani in Austria, Vol.2: il secolo XVII, Roma 1962 (L'opera del genio Italiano all'estero, serie prima)
Neckheim, Günther Hermann, Der Bildhauer Martin Pacobello, Ein Beitrag zur Kunstgeschichte Kärntens im Frühbarock, in: Carinthia I, 147(1957)594-619
Neubauer-Kienzl, Barbara, Deuer, Wilhelm, Mahlknecht, Eduard, Barock in Kärnten, mit einem Beitrag von Eva Berger, Klagenfurt 2000 (Die Kunstgeschichte Kärntens)
Spätmittelalter und Renaissance, Hrsg.v. Arthur Rosenauer, München (usw.) 2003 (Geschichte der bildenden Kunst in Österreich,3)

©, Oktober 2004

 

10. ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

 

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