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Institut für Kunstgeschichte Innsbruck
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POMIS, Giovanni Pietro de

 

1. POMIS, Giovanni Pietro de (Giovanni Pietro Telesphoro de, Johannes Petrus Telesphorus de)

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Maler, Architekt, Medailleur, Militäringenieur

3. BIOGRAPHIE

*1569 (nicht dokumentiert) in Lodi (Nähe Mailand), † 6.3.1633 in Graz.
Anfänglich wohl in Lodi, später in Venedig im Umkreis J.Tintorettos in der Lehre. 1588/95 Hofkammermaler Erzherzog Ferdinands von Tirol. Ehe in Innsbruck am 25.10.1595 mit Judith Anna Dermoyen (Vater Benedikt, Niederländer, Hoftapezierermeister). Sohn Johannes Baptist (geb.1595), Tochter Elisabeth (geb.1596). Um 1597 nach dem Tod Ferdinands von Tirol (24.1.1595) in derselben Eigenschaft mit einem Jahresgehalt von 250 fl. in Graz bei Erzherzog Ferdinand II.(nachmals Kaiser Ferdinand II.). 1598 Reisen mit Ferdinand nach Loreto und Rom, mit Erzherzogin Maria nach Spanien (evtl. Skizzen vom Escorial). Bekanntschaft mit späterem Auftraggeber Hans Ulrich von Eggenberg. 1600 Wappenverleihung durch Erzherzog Ferdinand. 1601 als Militäringenieur in dessen Gefolge vor Kanischa. 1611 Gnadengabe von 1000 fl., 1615 Ernennung zum "Consiliere Ingegniero et Architetto di Sau Altezza": Festungsingenieur für die innerösterreichischen Grenzfestungen Görz, Gradiska, Triest und Fiume, 1619 Begründung der Malerkonfraterunität in Graz, zu deren Vorstand er gewählt wird. Mehrere Reisen im Auftrag des Hofes. Am 10.2.1623 erteilt ihm Ferdinand II. in Regensburg die gewünschte Adelsbestätigung, Wappenbesserung und die Verleihung des Prädikates "von Truiberg". 1630 Vorwurf der Veruntreuung von Baugeldern, Abzug des Fehlbetrages von seiner Besoldung, Unstimmigkeiten mit der Hofkammer. Nach längerer Krankheit Tod am 6.3.1633 im Alter von 63 Jahren. Beisetzung in der Ordenskirche der Grazer Minoriten zu Mariahilf.

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Über die Familie ist in Lodi praktisch nichts dokumentiert. Vorname des Vaters unbekannt, geb. um 1533, Existenz einer Schwester bekannt. Eine Verbindung zu einer Familie "de la Poma" (E.12.Jh./ A.13.Jh., in Lodi) lässt sich nicht herstellen, eher wahrscheinlich eine Verwandtschaft (evtl. Neffe) zum berühmten hebräischen Arzt "David de Pomis" (1525 - 1588), aus bedeutender alter Familie, zuletzt in Venedig, vermutet. Auch ein Bezug zu einem "Pietro Pomis, Cavaliere" (in Lodi bekannt, gest. um 1680, Wien) wäre möglich.
Aus der Ehe mit Judith, geb. Dermoyen dreizehn Kinder, einige früh verst., Johann Baptist und Johann Nikolaus in den Türkenkriegen gefallen, keine männlichen Nachkommen, nach G.P.de Pomis Tod 1633 verbleiben die Witwe mit vier Töchtern, Johanna, Catharina, Maxentia, Felicitas Polyxena.
Aus dem Freundeskreis hervorstechend der Hofbaupolier Pietro Valnegro, daneben Künstler aus der von P.G. de Pomis gegründeten Malerkonfraterunität (Salomon Scheucher, Jakob Klincko, Hans Settenberger, Andreas Burckh, Georg Gündter, Moritz Probst, Hans Ludwig Ackhermann), weiter Mitglieder der italienischen Künstlerkolonie in Graz, sowie Vertreter des Hochadels, der Hofbeamtenschaft und des Bürgertums.
Hauptauftraggeber: Erzherzog Ferdinand II., Hans Ulrich von Eggenberg.
G. P.de Pomis steht stellvertretend für eine ganze Epoche künstlerischen Schaffens in der Steiermark im ersten Drittel des 17.Jh. Sein Schaffen sollte dem Grazer Hof mit seiner betont katholischen Ausrichtung das nötige Ansehen verleihen. Bald schon erfreut er sich einer fast monopolartigen Stellung und wird mit Aufträgen beschäftigt, die weit über dem für einen Hofmaler üblichen Rahmen liegen. Mit dem Einsetzen der gegenreformatorischen Maßnahmen wird er zu einem Propagandisten Erzherzog Ferdinand II., für dessen religionspolitisches Programm er in seinen Werken der Architektur, seinen Altarblättern und vor allem mit seinen Medaillen den sichtbaren künstlerischen Ausdruck besorgt.

 
5. WERK (STEIERMARK)

5.1 Architektur/ Bauwerke
5.1.1 Graz, Pfarrkirche und Kloster der Minoriten (Mariahilfskirche), 1607/1611, Stiftung des Fürsten von Eggenberg, Fassade urk.1627 von G.P.de Pomis, demselben auch der Kirchengesamtbau zugeschrieben, Bauausführung vermutlich von Pietro Valnegro.
5.1.2 Graz, Mausoleumk Kaiser Ferdinand II., 1614 Baubeginn. An Stelle der alten Katharinenkapelle neben dem Grazer Dom. (Ursprünglicher Entwurf auf der Grundsteinmedaille). Jahresgehalt dafür 360 fl., 1620 ist das Mausoleum unter Dach, seine bauliche Fortführung im wesentlichen 1638 durch Peter Valnegro abgeschlossen. Innenausstattung, 1687/99, anscheinend nach Entwürfen von J.B. Fischer von Erlach.
5.1.3 Schloss Eggenberg, Bauplanung vermutlich von G.P.de Pomis, (unter Anteil Johann Ulrich von Eggenberg ?), Anteil von Laurenz van de Sype und Pietro Valnegro sind schwer zu trennen
5.1.4 Graz, Domkirche, Sakristei, 1615 begonnen, Entwurf G.P.de Pomis zugeschrieben
5.1-5 Radmer, Wallfahrtskirche Hl. Antonius v. Padua, Stiftung Erzherzog Ferdinand II., erbaut 1600 bis 1603 von Hans Reßl, vielleicht nach Entwurf von G.P.de Pomis.
5.1.6 Ehrenhausen, Mausoleum Ruprechts von Eggenberg, Maria vom Siege und Hl. Rupert, südlich unterhalb des Schlosses gelegen, vor 1609 möglicherweise nach Plan von G.P.de Pomis begonnen, Bauausführung (nach einem Modell) durch Baumeister Johann Walter. Fertigstellung wohl nach dem ursprüngl. Entwurf, gew. 1693.

5.2 Malerei/ Gemälde
Graz, Gemäldegalerie: Allegorie auf Erzherzog Ferdinand als Gegenreformator.
Graz, Hochaltarbild des Paradeisklosters (Erzherzogin Maria als Stifterin des Klosters vor Heiligenchören und der Krönung Maria), 1604 (?).
Graz, Antoniuskirche: Wandbild Erzherz. Maria als Stifterin des Klarissinnenklosters mit Heiligen vor der Madonna (ehemals im Paradeiskloster).
Graz, Antoniuskirche: Hochaltarbild (Apotheose der Gegenreformation), 1616.
Graz, Mariahilfskirche: Hochaltar, 1611, Gnadenbild ( Erzherzogin Maria verweist Kranke u. Sieche auf die mit dem Kinde auf Wolken thronende Madonna).
Graz, Dom: Sakramentsaltar (Marienaltar), Altarblatt, Verkündigung an Maria von G.P.de Pomis.
Graz, Dom, Pestkapelle, erb.1617, am Triumphbogen, 2 Reliquienschreine aus Ebenholz, Hl. Maxentia und Agatha, Hl. Martin und Vinzenz, auf Marmorpostamenten, um 1617, Entwurf G.P.de Pomis zugeschrieben
Graz, Dom: , Pestkapelle, südl. Seitenschiff, Altarblatt, Christusvision des Hl. Ignatius in der Kapelle von La Storta bei Rom, sign. JOANES PETRUS DE POMIS F., 1618
Graz. Alte Universität, Großer Saal: Wandbild oder Fresken auf die Gegenreformation durch Erzherz. Ferdinand (zerstört), siehe Zeichnungen.
Graz, Alte Universität, ehem. Aula, Marmorrelief, Maria mit Trauben haltendem Jesukind,1618, von G.Pde Pomis, Skizzen dazu im Privatbesitz
Graz, Galerie Attems: Altarbild aus dem Paradeiskloster (Christus überreicht dem Hl. Petrus die Himmelsschlüssel), Kopie des angebl. Selbstportraits (siehe unten).
Brustbild des Wolf von Stubenberg, um 1592.
Gemäldegalerie: Tod des Hl. Dominikus, wohl aus der Grazer Dominikanerkirche. Im Konventgang dieses Klosters eine Kopie davon und eine von dem verlorenen Gegenstück: Tod der Hl. Rosalia (Spätwerk).
Lankowitz, Antoniuskapelle. Votivbild des Sigmund Friedrich v. Hebersten und seiner Gemahlin Maria Magdalena, geb. von Welzer, nach 1621.
Herberstein, Schloss: 2 Ganzfigurenportraits von Erzherzog Ferdinand u. Erzherzogin Marianne, 1614, G.P. de Pomis zu geschrieben.
Fragliche Gemälde (oder aus dem Umkreis)
Graz, Gemäldegalerie: Angebliches Selbstportrait.
Graz, Palais Attems: Wandbilder des Stiegenhauses.
Graz, Mariahilfskirche, Oratorium: Sippe Christi (Wastler).
Frauheim, Schlosskapelle: Hl. Anna, Altarbild.
Rein, Neue Sakristei, Bild Maria Himmelfahrt vom ehem. 1622 errichteten Hochaltar, dem G.P.de P. zugeschrieben.
Graz, Mausoleum, Fresko am Kuppelkranz: Tugenden und kath. Taten Kaiser Ferdinand II., vermutlich nach Entwürfen G.P.de Pomis.
Verschollene Gemälde (aus Korrespondenzen u. Nachlassinventaren feststellbar)
Stift Admont 1605; Lieferungen an den Hof 1652; Nachlassinventar Johann Ernst Graf von Herberstein 1727; Nachlassinventar Ignaz Maria Graf Attems 1733.

5.3 Zeichnungen
Bildnis Alexander Colins, um 1601.
Graz Kupferstichkabinett: 6 Studien, Allegorien auf Erzherzog Ferdinand als Gegenreformator, für den großen Saal der alten Universität in Graz. Ebendort ein wohl für de Pomis in Anspruch zu nehmender Altarblattentwurf: Hl. Helena, und ein Fragment: Madonna mit Kind.

5.4 Medaillen
Das Portrait des großen niederländischen Bildhauers Alexander Colins dürfte noch in Innsbruck entstanden sein, aus der Grazer Zeit rührt dann die lange Reihe der Schaustücke auf Erzherz. Ferdinand(II.) u. seine Gemahlin Maria Anna her. Auch als Kaiser bedachte er G.P.de Pomis mit Aufträgen, insbesondere für Medaillen auf den Sieg von Gegenreformation und Absolutismus, wie denn überhaupt G.P.de Pomis auch durch sein Bildnis des Bischofs Martin Brenner von Seckau (1612), genannt Der Ketzerhammer, zum Medailleur der Gegenreformation in Österreich wurde. Außer Gelegenheitsmedaillen für den Hof kennen wir von G.P.de Pomis noch die Bildnisse des Hans von Stadel auf Riegersburg und seiner Frau Barbara (1609), Johann Ulrichs von Eggenberg und seiner Gemahlin Sidonia Maria von Tannhausen (1626), des Abtes Johann Hoffmann von Admont (gest.1614), des Landeshauptmanns Siegmund Friedrich von Herberstein (gest. 1621) und des Hofkanzlers Johann Baptist Freiherr von Werdenberg (1630). Weitere Gruppen von Medaillen auf Siege Kaiser Ferdinands II. hinweisend und Medaillen anlässlich der Grundsteinlegung des Grazer Jesuitenkollegiums (1607) und des Kapuzinerklosters (1608). Ein eher ungewöhnliches Stück: Allegorie auf Kunst und Natur. Hauptwerke: das Schaustück auf dem Mausoleum Ferdinand II. in Graz (1615) und das Selbstbildnis von 1624. G.P.de Pomis setzt den Mischstil Antonio Abondios fort, wie er auch dessen Wachstechnik beibehält und als letzter der habsburgischen Hofmedailleure der Renaissance am Ende der mehr als hundertjährigen ersten Periode einer ausgesprochenen Förderung der Schaumünze durch das kaiserliche Haus steht. Die nach dem letzten Stand der Forschung insgesamt 41 Medaillen nehmen im Vergleich zu seiner Malerei und Architektur einen bedeutenden Platz ein.

6. ABBILDUNGEN
7. BIBLIOGRAPHIE

Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler. Von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker, Studienausgabe, Bd.27/28, Leipzig 1999
Ginhart, Karl, Lexikon der bildenden Kunst in Österreich, Bd.4, Baden/Wien 1939
Kohlbach, Rochus, Steirische Baumeister, Graz 1956.
Woisetschläger, Kurt, Giovanni Pietro de Pomis, Graz/Wien/Köln 1974
Woisetschläger, Kurt, und Krenn, Peter, DEHIO- Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Steiermark, Wien 1982
Woisetschläger, Kurt und Krenn, Peter, DEHIO- Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Graz, Wien 1979

©Walter Oberhammer, April 2005

8. ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

 

 
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